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Wintergarten Ratgeber und 13 Tipps

Der Wintergarten – eine lange Geschichte

Sparsamkeit hin, Sparsamkeit her: Gleich zwei Schotten wussten zu Anfang des 19. Jahrhunderts die wĂ€rmende Kraft der Sonne zu nutzen. WĂ€hrend Alan MacOnochie es beim Bauen von Miniatur-GewĂ€chshĂ€usern beließ, trĂ€umte John Claudius Loudon bereits von Springbrunnen, RasenflĂ€chen und Teichen unter Glas. 1850 verwirklichte er seine Idee zusammen mit dem EnglĂ€nder Joseph Paxton, als sie fĂŒr die Londoner Weltausstellung den berĂŒhmten Kristallpalast errichteten.

Die beiden „Wintergarten-Pioniere“ waren allerdings nicht die ersten und einzigen, die die Sonne fĂŒr ihre ArchitekturplĂ€ne einspannten. Die Römer z.B. kannten bereits den Effekt der hinter Glimmstein entstehenden WĂ€rme und die Pueblo-Indianer bauen schon seit Jahrtausenden ihre Höhlen in SĂŒdhĂ€nge.

Der Startschuss fĂŒr das Glashaus der Neuzeit fiel in die Ära des Kolonialismus mit dem Bekanntwerden einer kugeligen Frucht. Die Orange nĂ€mlich war in Europa so selten und daher so begehrt, dass ihr Halten hohes Prestige versprach. Die eigens fĂŒr die Aufzucht entwickelten Orangerien wurden schließlich als „Treffpunkt im GrĂŒnen“ entdeckt und zogen nun als „Wintergarten“ in viele gutbĂŒrgerliche StadthĂ€user ein. Die beiden Weltkriege bereiteten dem neuen Lebensraum allerdings ein jĂ€hes Ende.

Heute liegt das Wohnen mit der Sonne wieder im Trend. Neue Heiz- LĂŒftungs- und Beschattungstechniken tragen dazu bei, dass der „grĂŒne Salon“ noch komfortabler ausgestattet ist, als in seiner ersten BlĂŒtezeit.

Wintergarten Ratgeber und 13 Tipps

Wintergarten Bausatz aus verschiedensten Materialien

Ein Wintergarten aus Holz, Kunststoff, Stahl, Alu?

Materialien im Vergleich

Wenn Sie sich zum Bau eines Wintergartens entschlossen haben, sollten Sie daran denken, dass auch die Wahl des Materials Ihre Zufriedenheit ĂŒber die Jahre bestimmt. GrundsĂ€tzlich gilt aber: Alle WintergĂ€rten, ob die tragenden Konstruktionen nun aus Holz, Kunststoff, Stahl oder der Kombination Alu/Holz gefertigt sind, sollten vom Fachmann sorgfĂ€ltig geplant und gebaut werden, damit Sie ein garantiertes Handwerksprodukt erster GĂŒte erhalten.

  • Kunststoffkonstruktionen
    Kunststoff ist bekanntlich sehr pflegeleicht. Er wird nicht durch Feuchtigkeit angegriffen, ist gut zu verarbeiten, haltbar und wÀrmeleitfÀhig.
  • Stahlkonstruktionen
    Stahlkonstruktionen sind schon aufgrund des stabilen Werkstoffs besonders tragfÀhig und haltbar und lassen sich relativ gut verarbeiten. Sie ermöglichen eine besonders filigrane Glasarchitektur.
  • Aluminiumkonstruktionen
    Konstruktionen aus Aluminium zeichnen sich durch eine besonders hohe Verarbeitbarkeit, Haltbarkeit und TragfÀhigkeit aus. Sie sind pflegeleicht und werden durch Feuchtigkeit in keiner Weise angegriffen.
  • Holzkonstruktionen
    Holz zeigt eine gute Verarbeitbarkeit, ist tragfĂ€hig, haltbar und sehr wĂ€rmeleitend. Das Verhalten bei Feuchtigkeit ist naturgemĂ€ĂŸ nicht so gut, kann aber durch eine entsprechende Behandlung optimiert werden.
  • Holz-/Alukonstruktionen
    Die Kombination Alu/Holz ist besonders haltbar, pflegeleicht, wĂ€rmeleitend und zeigt bestes Verhalten bei Feuchtigkeit. Auch die Verarbeitungsmöglichkeiten und die TragfĂ€higkeit lassen keine WĂŒnsche offen.

Neben der Auswahl des Materials fĂŒr die tragende Konstruktion gilt es auch die Entscheidung fĂŒr das passende Profilsystem zu treffen, denn erst in dieser Verbindung kann jeder der Werkstoffe das leisten, was Sie vom Tragwerk Ihres Wohn-Wintergartens erwarten dĂŒrfen: StabilitĂ€t, Langlebigkeit und WĂ€rmedĂ€mmung.

Aluminium-Profile bewĂ€hren sich gerade im Außenbereich besonders gut, weil das Material an der OberflĂ€che unter dem Einfluss von Sauerstoff oxidiert und damit eine Schutzschicht gegen WitterungseinflĂŒsse bildet. Die Standfestigkeit der Gesamtkonstruktion wird auch ohne Wartung nie beeintrĂ€chtigt. Eine Eloxierung oder Einbrennlackierung verbessern aber langfristig die optische QualitĂ€t und tragen so zu einer lĂ€ngeren Lebensdauer bei.

Kunststoff-Profile wurden aus dem Fensterbau weiterentwickelt und sind nicht zuletzt wegen des gĂŒnstigen Preises und der leichten Pflege sehr beliebt. Die problemlose Pflege verdankt das Material seiner Feuchte- und UV-BestĂ€ndigkeit, die auch ohne OberflĂ€chenbehandlung gegeben ist.

Der besondere Reiz von Holz-Profilen liegt in der lebendigen OberflĂ€che der behaglichen Ausstrahlung. Die HolzoberflĂ€che wirkt im Naturton belassen besonders warm, kann aber ebenso das gesamte RAL-Farbspektrum von hell bis bunt oder dunkel annehmen. FĂŒr WintergĂ€rten mit geringen Spannweiten (bis ca. zwei Meter) können Massivhölzer verwendet werden, in erster Linie werden aber Brettschichthölzer eingesetzt, mit denen sich auch grĂ¶ĂŸere Abmessungen und anspruchsvolle Konstruktionen realisieren lassen.

Bei Holz-Metall-Systemen ist Holz-Aluminium die gĂ€ngigste Kombination. Die tragende Konstruktion aus Brettschichtholz steht im Innenraum, darauf werden auf der Außenseite die Glasscheiben mit speziellen Halterungen und Dichtungen montiert. Außen aufgesetzte, witterungsbestĂ€ndige Deckschalen dichten das System ab. Eine zusĂ€tzliche Dichtungsebene kann dem Holz noch mehr Schutz bieten und wird oftmals im schrĂ€gen Dachbereich eingesetzt. Auf Balken und Sparren wird direkt ein Basisprofil aus Aluminium befestigt, das gleichzeitig als Auflage fĂŒr die Glasscheiben dient.

Jedes Material und jedes Profil hat einen eigenen Charakter. Nehmen Sie sich deshalb Zeit, die richtige Wahl zu treffen.

Die Beschattung des Wintergarten

Eine gute Beschattung gehört zu den Grundvoraussetzung fĂŒr ein angenehmes Wohnklima im Wintergarten. Generell unterscheidet man zwei verschiedene Beschattungssysteme:

Ein außenliegender Sonnenschutz fĂ€ngt die Sonnenstrahlen ab, bevor sie in das Glashaus gelangen und dort in WĂ€rmestrahlen umgewandelt werden. Im Vergleich zu einem Anbau ohne Sonnenschutz macht das eine Temperatursenkung um bis zu 30° Celsius aus. Da die außenliegende Beschattung voll der Witterung ausgesetzt ist, sollte sie automatisch bedienbar sein.

Bei einer innenliegenden Lösung stellt sich diese Problem nicht. DafĂŒr dringen die Sonnenstrahlen zunĂ€chst in das Innere des Wintergartens ein. Die Folge: Zwischen dem Sonnenschutz und raumseitiger Glasscheibe bildet sich ein unerwĂŒnschter Hitzestau, der zu Glasbruch fĂŒhren kann. Eine HinterlĂŒftung ist daher bei dieser Konstellation dringend zu empfehlen.

LĂŒfung

Eine sorgfĂ€ltige Planung der LĂŒftung entscheidet vor allem in den Sommermonaten ĂŒber die Bewohnbarkeit und die Aufenthaltsdauer im „grĂŒnen Zimmer“. Dies setzt jedoch gewisse Grundkenntnisse ĂŒber die verschiedenen Systeme und ihre Anordnung voraus.

QuerlĂŒftung

Diese LĂŒftungart funktioniert bei WintergĂ€rten mit einer Breite von bis zu etwa 6 m. Das FortluftgerĂ€t muß oben, das ZuluftgerĂ€t kann oben oder unten montiert werden.

DiagonallĂŒftung

Wenn die Breite des Wintergartens den Richtwert von 6 m ĂŒberschreitet, wird eine DiagonallĂŒftung benötigt. Die FortluftgerĂ€te mĂŒssen oben, die ZuluftgerĂ€te mĂŒssen unten montiert werden.

DachlĂŒftung

Eine Alternative zur DiagonallĂŒftung stellt bei WintergĂ€rten mit einer Breite von ĂŒber 6 m die DachlĂŒftung dar. Die FortluftgerĂ€te mĂŒssen oben, die ZuluftgerĂ€te sollten unten montiert werden.

Prima Klima durch LĂŒftungsanlagen

Die bekannteste und auch natĂŒrlichste Methode, um fĂŒr frische Luft zu sorgen, besteht wohl darin, Fenster, Dachklappen und TĂŒren per Hand zu öffnen. Dies hat allerdings den Nachteil, dass man den Wintergarten praktisch nie sich selbst ĂŒberlassen kann, denn plötzliche WetterumschwĂŒnge, Wind, Sturm und Regen können bei Abwesenheit des Besitzers in kurzer Zeit die ganze Pflanzenpracht zerstören. Ganz abgesehen davon entsteht bei der natĂŒrlichen LĂŒftung leicht ein unangenehmer Zug.

Anders verhĂ€lt es sich bei einer automatischen LĂŒftungsanlage, die ĂŒber Temperatur- und LuftfeuchtigkeitsfĂŒhler gesteuert wird. Sie behebt die Nachteile der natĂŒrlichen LĂŒftung, denn sie sorgt auch bei voĂŒbergehender Abwesenheit der Bewohner fĂŒr vertretbare Temperaturen und macht sich vor allem bei einer aufwĂ€ndigen Bepflanzung schnell bezahlt.

Wirkungsvoller Zusatznutzen

Eine automatische LĂŒftungsanlage kann aber noch mehr: Sie kann nicht nur eingesetzt werden, um ÜberschusswĂ€rme aus dem Wintergarten abzufĂŒhren, sie kann diese in der Heizsaison auch dem Kernhaus nutzbar machen. Ein BelĂŒftungsgerĂ€t transportiert dazu die Warmluft aus dem Wintergarten in das Haupthaus. Durch ein FortluftgerĂ€t strömt im Gegenzug die Luft aus dem Kernhaus zum ErĂ€rmen in den Wintergarten.

Durch automatische LĂŒftungsgerĂ€te kann also nicht nur der Überhitzung des Wintergartens begegnet werden, sondern auch noch zusĂ€tzliche Energie geliefert werden. ZusĂ€tzlich lĂ€sst sich auf diese Weise der Wintergarten entfeuchten und gleichzeitig die Luft in den im Winter meist sehr trockenen WohnrĂ€umen befeuchten. Hier wie dort entsteht ein angenehmes Klima.

Die Wintergarten Heizung

Gerade im Winter ist eine ĂŒppige Vegetation unter Glas besonders attraktiv. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt bedeuten jedoch fĂŒr die meisten GewĂ€chse das „Aus“. WĂ€hrend es fĂŒr Pflanzen oft genĂŒgt, sie frostfrei zu halten, mögen es die Menschen allerdings gerne etwas „wohliger“. Schließlich will man auf der Sonnenveranda keine kalten FĂŒĂŸe bekommen.
Heizkörper an der Wand sind dabei keine empfehlenswerte Lösung.

Ein ungemĂŒtliches TemperaturgefĂ€lle vom Haus zum Anbau hin ist die eine, Kondensatbildung die andere unangenehme Folge. Beides gilt es zu vermeiden. Eine Fußbodenheizung erzeugt zwar eine angemessene Bodentemperatur, den ganzen Raum kann sie jedoch nicht erwĂ€rmen. Das bedeutet: heiße FĂŒĂŸe, kalter Kopf. In Verbindung mit einem beheizbaren ZuluftgerĂ€t ist die Fußbodenheizug jedoch eine energieschonende und damit kostengĂŒnstige WĂ€rmequelle.

Die sogenannte Warmluftheizung wird in den Konvektorschacht oder im BrĂŒstungsbereich des Wintergartens eingebaut und an die Pumpenwasserheizung angeschlossen. Ist diese abgeschaltet, dient die Anlage der BelĂŒftung. Kurz: doppelter Nutzen.

Wintergarten Ratgeber und 13 Tipps

Wintergarten Kosten – Die Ausstattung bestimmt den Preis

Was Wintergarten-Profis empfehlen

  1. Informieren statt hantieren: Die Beherzigung dieser Regel erspart Glashaus-Fans unnötigen Frust und teure NachrĂŒstungen.
  2. Der Weg zum seriösen Fachmann lohnt sich immer. Er steht fĂŒr individuelle Planung, Beratung und AusfĂŒhrung gerade – u.a. durch GewĂ€hrleistung und Verwendung von QualitĂ€tsprodukten.
  3. Der Anbau eines Wintergartens ist genehmigungspflichtig. Erkundigen Sie sich vor der Planung bei der Baubehörde. Die Genehmigung muß vor einer sog. vorlageberechtigten Person, z.B. einem Architekten oder Ingenieur, beantragt werden.
  4. Welcher Hausseite der Wintergarten angegliedert wird, hĂ€ngt von der gewĂŒnschten Nutzung ab. Die gesamte Familie sollte deshalb ĂŒber die Himmelsrichtung entscheiden. Denn: Hobbys und Lebensgewohnheiten bestimmen den Standort des Glashauses mit.
  5. Die StĂ€rke der Sonneneinstrahlung beeintrĂ€chtigt die Nutzung des Wintergartens wesentlich. Wer ihre Energie voll ausschöpfen will, braucht den Glas-Anbau an der SĂŒdseite. Hier empfiehlt sich dann eine Trennwand zum Kernhaus.
  6. Ein Glasanbau an der Nordseite ist gut geeignet, um das Haus vor starker AuskĂŒhlung zu schĂŒtzen. Ein solcher Klimapuffer kann unter UmstĂ€nden mehr Energie einsparen, als mit einem Wintergarten an der SĂŒdseite gewonnen wĂŒrde.
  7. Die LĂŒftung gehört zu den HerzstĂŒcken wirklich wohnlicher WintergĂ€rten. Als besonders effizient erweisen sich dabei automatisch gesteuerte Systeme. Keine Angst vor der Technik. Sie ist nicht so kompliziert, wie es vielleicht den Anschein hat.
  8. Auf Beschattungssysteme dĂŒrfen Sie nicht verzichten. Möglich sind je nach LĂŒftungsart innen- oder außenliegende Lösungen. Wie bei der LĂŒftung gilt: Eine Automatik erspart Ihnen böse Überraschungen durch einen plötzlichen Wetterumschwung.
  9. WĂ€rmeschutzglĂ€ser bringen pro Heizsaison eine Einsparung von ca. 15l/mÂČ gegenĂŒber normalem Isolierglas. Die Schadstoffminderung betrĂ€gt 45%.
  10. WintergĂ€rten, die das ganze Jahr zu Wohnzwecken dienen, brauchen eine Heizung. LĂŒftungsgerĂ€te, die an eine vorhandene Pumpenwasserheizung angeschlossen werden, sind energiesparend.
  11. FĂŒr die Konstruktion wird Holz, Aluminium, Kunststoff oder Stahl verwendet. Das Material sollte sich entweder dem Haus harmonisch anfĂŒgen oder einen reizvollen Kontrast bieten. Ein Fremdkörper ist nicht nur bei den Nachbarn unerwĂŒnscht.
  12. Pflanzen gehören unbedingt in ein Glashausambiente. Aber Vorsicht: Nicht jedes GewÀchs passt in das dort herrschende Klima. Lassen Sie sich deshalb auch hier bei Ihrer Auswahl gut beraten.
  13. Als Kosten-Richtwert fĂŒr einen Standard-Wintergarten (Konstruktion, Glas, Beschattung, LĂŒftung) können 1.500,- EUR bis 2.500,- EUR pro Quadratmeter GrundflĂ€che gelten. Nach oben gibt es natĂŒrlich keine (Komfort-)Grenzen.
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Ein Kommentar

  1. Guten Tag liebe Mitleser,
    vielen Dank fĂŒr diesen informativen Beitrag. Da wir einen relativ großen Garten haben, spielen wir auch mit dem Gedanken, uns einen Wintergarten anbauen zu lassen, da dieser doch ĂŒber viele Vorteile verfĂŒgt. Weder meine Frau noch ich sind jedoch handwerklich begabt, sodass wir uns an einen Profi wenden werden.

    Viele GrĂŒĂŸe
    Jonas